Sonntag, 4. Oktober 2015

wohnungsflohmarkt.

Nach dem ganzen Papierwust, den ich nun relativ gut am Laufen bzw. teilweise bereits abgeschlossen habe, geht es darum, all die Ansammlungen meines Lebens zu verkaufen.

Ich habe lange überlegt, wie ich es am besten angehe. Einzeln fotografieren und onlinestellen hätte mich zu viel Zeit gekostet (alles fotografieren, Text schreiben, Fragen beantworten, einzeln Termine zur Abholung vereinbaren und so weiter...) - da ich derzeit eh schon genug um die Ohren habe, wollte ich mir diesen zusätzlichen Stress ersparen.

Also kam mir die Idee, nun einige Wochen hintereinander, je wie es zeitlich passt, einen Wohnungsflohmarkt zu organisieren. Über Facebook habe ich einen kurzfristigen Aufruf in meinem Freundeskreis und in einer Bad Homburger Flohmarkt-Gruppe gestartet.

Es hat super funktioniert und hat wirklich Spaß gemacht. Im Vorfeld hatte ich uns Cremant kühlgestellt, dazu gab es noch ein paar Knabbereien, eine wunderbar entspannte & vertraute Shoppingstimmung kam auf. Nebenbei freue ich mich natürlich sehr über den Erlös, er wird mir in Kambodscha sicher sehr zugutekommen.

Was hat der Flohmarkt in mir ausgelöst? Wie geht es mir dabei?
Von Natur aus bin ich, wie ich erneut feststellen musste, eine kleine Sammlerin. Alles wird aufgehoben, man weiß ja nie wofür man es irgendwann mal gebrauchen könnte. So machte ich mich also auch jahrelang zum Opfer meiner Güter.

Das Hergeben meiner Sachen war einfach großartig, es hat mich sehr befreit! Mit jedem Stück, das ich weggegeben habe sind natürlich auch kurzzeitig wehmütige Gedanken, Personen, Erlebnisse in Erinnerung gekommen, jedoch war das Gefühl des Befreiens überwiegend.  

Eigentlich hat der Prozess, mich von Konsum zu entfernen (und ich war wirklich ein blingbling-Taunustörtchen), bereits vor sehr langer Zeit bei mir begonnen. Für mein Umfeld wahrnehmbar wurde es erst, als ich meinen bis dahin innig geliebten Mini Cooper Cabrio weggegeben habe und dieser durch einen 16 Jahre alten Opel Corsa ersetzt wurde (eine Luxusausstattung habe ich mir für den Corsa gegönnt: rosa Blumenaufkleber für 19,99 €). Das war schockierend für mein Umfeld. Die haben mich mit riesengroßen Augen angeschaut und ich konnte ihre Gedanken lesen bevor sie sie aussprachen. Damals fing ich auch an, hier und da einzelne Sachen zu verkaufen und hatte fortan keine Lust mehr, mein Geld in Konsumgüter zu investieren. Das dadurch ersparte Geld wollte ich viel lieber in Reisen investieren.

Mini Cooper Cabrio 2010

Der ultracoole Opel Corsa 2014

Der Wunsch mit dem Auswandern existierte zwar bereits, aber zu der Zeit war ich gedanklich vom Umsetzen noch ganz weit entfernt. Unmöglich und nicht realisierbar, dachte ich. 

Haben oder Sein*. Ich entscheide mich fürs Sein, mit jeder Faser meines Ichs, das wurde mir am Flohmarkttag noch einmal sehr bewusst. Ich befreie mich von den Fesseln des Habens.    

In kurzen Worten: Es geht mir arg gut dabei, meine angesammelten Habseligkeiten wegzugeben!!! Es befreit mich. 


In 2 Monaten und 11 Tagen ist es soweit... Herzklopfen...


Einen schönen Restsonntag wünscht Euch

SissiBelle


* Literaturhinweis:
Haben oder Sein (Untertitel: die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft) ist ein populäres gesellschaftskritisches Werk des Sozialpsychologen Erich Fromm.
Danke für die Empfehlung, lieber Marie-Jean!



Impressionen vom Wohnungsflohmarkt
 







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